Biografie von Ursula Dreifuss, 8304 Wallisellen
Mein Leben - meine Kunst
Schon als Kind habe ich gerne und oft gemalt. Ich erinnere mich noch gut, dass ich mein Zimmer mit einem selbst bemalten Wandbehang verziert habe. Darauf zeichnete ich mit schwungvollen Strichen die eindrucksvollen englischen Königsgardisten mit den überdimensionierten schwarzen Bä renmützen.
Solange meine drei Söhne klein waren, fand ich kaum Zeit für meine Kunstleidenschaft. Dann begann ich mit einem neuem Medium: der feinen und kleinformatigen Porzellanmalerei. Ich arbeitete auch in Aquarell, so dass sich mit der Zeit nicht nur die Bilder stapelten, sondern meine Wohnung f örmlich verstellt war mit bemalten und verzierten Tellern, Tassen und Teekannen.
Schleichend war meine progressive Muskeldystrophie (zunehmender Muskelschwund) immer weiter vorangeschritten.
Die Krankheit begann, als ich noch nicht einmal ganz dreißig war.
Stetig aber nahm meine Muskelkraft ab, so dass ich mit der Zeit auch Mühe hatte, die schweren Porzellangegenstände zu bearbeiten.Vermehrt wandte ich mich nun dem Papier zu. Während ich viele Porzellanprodukte mit der Zeit auch verkaufte - es waren beliebte Gebrauchsgegenstände – wusste ich lange nicht recht, was ich mit den zahlreichen Zeichnungen, Skizzen und Bildern machen sollte.
Zufälligerweise erhielt ich damals einen Brief, in dem mir angekündigt wurde, dass eine Gesellschaft mit behinderten Künstlerinnen und Künstlern gegründet werde. Da diese auch Ausstellungen organisiert, entsprach sie genau meinen Vorstellungen.
Das war 1981.
Anfänglich waren meine Bilder stark beeinflusst von der Porzellanmalerei. Doch eröffnete das Medium Papier zahlreiche weitere Möglichkeiten und hatte den Vorteil, viel billiger als das kostspielige Porzellan zu sein.
Dies ermöglichte es mir, nicht nur großformatiger zu arbeiten, sondern auch schnelle Skizzen anzufertigen und experimentelle Versuche zu wagen. Beim Porzellan hatte ich mich vorwiegend an klassische Sujets gehalten: Blumenmotive, ornamentale Gestaltung und vereinzelt auch Landschaftsmalerei.Nun gewann das Figürliche zunehmend an Wichtigkeit, wenn ich auch immer noch gelegentlich meine Faszination für Seerosen oder üppige Blumenwiesen künstlerisch umsetze und manchmal Bilder malte von erstaunlicher Größe.
Solange es mein Gesundheitszustand noch erlaubte, bereiste ich das für mich klimatisch paradiesische Kenia, um dort die traumhafte Welt der Palmen und Strände mit Wasserfarbe festzuhalten und den kalten Winter zu verkürzen. Bei normaler Zimmertemperatur friere ich bereits, weil ich mich kaum bewegen kann. Da ist mir die südliche Wärme eine Wonne…
Mit zunehmend eingeschränkter Kraft und Bewegungsfähigkeit widme ich mich heute wieder Kleinformaten. Dank der tatkräftigen Unterstützung einer Freundin und Betreuerin ist es mir noch möglich, weiter zu malen.
Im Moment fasziniert mich Leonardo Da Vincis „Abendmahl“, das ich schon sehr häufig kopiert und studiert habe.Ich mache das Beste aus meinem Leben und freue mich immer wieder darüber, wenn sich andere Menschen an meinen Bildern, insbesondere Blumenmotiven erfreuen.
Zu den schönsten Momenten in meinem Leben gehören die Augenblicke, wo ich jemanden durch den Verkauf meiner Bilder etwas Fröhlichkeit schenken darf.
Das sind meine Highlights in meinem Leben.Ihre Ursula Dreifuss

